Der italienische Designer Achille Castiglioni ist der jüngste der Castiglioni-Brüder.
Wie diese studiert er ebenfalls Architektur am Politecnico di Milano und macht 1944
seinen Abschluss. Er ist auch als Architekt tätig, vor allem jedoch gehört
Achille Castiglioni zu den wichtigsten Designern Italiens.
Achille Castiglioni
hat das Design des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt und gilt Generationen von
Gestaltern als Vorbild. 1944 tritt Achille dem Büro der beiden älteren Brüder Livio und
Pier Giacomo bei. Livio geht ab 1952 eigene Wege. Pier Giacomo und Achille Castiglioni
werden als kongeniales Team zahlreiche Designentwürfe realisieren. 1957 findet in der
Villa Olmo in Como die Ausstellung "Colori e forme nella casa d'oggi" statt, in der Pier
Giacomo und Achille Castiglioni ihre Vision für modernes Wohnen zeigen. Dies ist allerdings
kein durchgestylter Raum, sondern ein fröhlich-buntes Sammelsurium, das aus einem Stilmix
mit alten und neuen Möbeln besteht.
Erstmals zeigen Pier Giacomo und Achille Castiglioni
hier auch ihre Ready-made-Designs. Der Hocker "Mezzadro" mit einem auf das Untergestell
montierten Traktorsitz sowie der Telefonhocker "Sella" mit Fahrradsattel werden erst
viele Jahre später von Zanotta produziert. Besonders erfolgreich sind Pier Giacomo und
Achille Castiglioni mit ihren
Leuchten, die sie für Arredoluce, Artemide und vor allem
für Flos entwerfen.
Im ersten Jahr der 1962 gegründeten Firma Flos produziert diese die
Leuchten "Taraxacum" (1960), "Splügen Bräu" (1961) und
"Arco" (1962), viele weitere folgen.
Nach dem Tod des Bruders Pier Giacomo 1968, führt Achille Castiglioni das Büro alleine
weiter. 1971 entwirft er die Tischleuchte "Lampadina", 1972 "Noce", die sowohl als Tisch-,
Decken- oder Wandleuchte verwendet werden kann, 1978 entsteht "Frisbi", die wie ein
leuchtendes Ufo wirkt.
Die Tischleuchte "Gibigiana von 1980 gehört wohl zu Achille
Castiglionis bekanntesten Entwürfen. 1998, mit 80 Jahren, entwirft Achille Castiglioni
die Hängeleuchte "Diabolo", für die er nochmals den Compasso d'Oro erhält. Kennzeichnend
für Achille Castiglionis Entwürfe sind das spielerische Mittel der Zweckentfremdung und das
Streben nach der minimalen Form. Funktionalität rangiert vor Ästhetik, ohne dass die schöne
Form auf der Strecke bleibt. "So raffiniert und so einfach - das gefällt mir!", umschreibt
Achille Castiglioni seine Designphilosophie.
Die Brüder Castiglioni haben nicht nur durch
ihre Designarbeiten großen Einfluss auf die nachfolgende Generation italienischer Designer.
Pier Giacomo Castiglioni ist 1946-1968 Dozent für Design am Politecnico di Milano.
Auch Achille Castiglioni lehrt dort von 1982-1986 Raumgestaltung und Industriedesign, davor ist
er 1970-1980 Professor für Industriedesign am Politecnico di Torino. Zahlreiche der Arbeiten
von Achille und Pier Giacomo Castiglioni befinden sich in der Sammlung des Museum of Modern Art.